Bagger vor Einfamilienhaus 
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Bagger vor Einfamilienhaus

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Erstmals seit 2011

Boom im deutschen Wohnungsbau beendet

Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres zurückgegangen - besonders stark traf es Einfamilienhäuser. Der 2011 begonnene jährliche Anstieg der Zahl fertiggestellter Wohnungen setzte sich damit nicht weiter fort. Gründe sind unter anderem anhaltender Materialmangel und die steigenden Baupreise.

Der Wohnungsbauboom in Deutschland hat 2021 ein vorläufiges Ende gefunden. Nur 293.393 Wohnungen wurden fertiggestellt, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das waren 4,2 Prozent oder 12.983 weniger als 2020, als erstmals mehr als 300.000 neue Wohnungen entstanden. „Der 2011 begonnene jährliche Anstieg der Zahl fertiggestellter Wohnungen setzte sich damit 2021 nicht weiter fort“, hieß es dazu. Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen wurde damit deutlich verfehlt. In den Zahlen sind sowohl die Baufertigstellungen für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden enthalten.

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen stieg 2021 um 3,3 Prozent auf 380.736. Sie lag damit weiter deutlich höher als die der Baufertigstellungen. Dies führte zu einem Überhang von genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen von insgesamt 846.467 - ein Plus von 67.035. „Der seit 2008 anhaltende Anstieg des Bauüberhangs beschleunigte sich somit im Jahr 2021 und erreichte den höchsten Stand seit 1996“, erklärten die Statistiker. Dazu beigetragen haben dürften Lieferengpässe und Rohstoffknappheit, deutliche Preissteigerungen als Folge einer erhöhten Nachfrage nach Baustoffen wie Holz und Stahl im In- und Ausland sowie die hohe Auslastung beziehungsweise Personalknappheit im Baugewerbe.

Die Zahl der neuen Einfamilienhäuser sank im vergangenen Jahr um 10,4 Prozent auf 78.209, die der Mehrfamilienhäusern um 3,6 Prozent auf 147.925. Bei Zweifamilienhäusern gab es einen Rückgang von 1,7 Prozent auf 20.118 Wohnungen.

Anhaltender Materialmangel und steigende Baupreise, mehr Stornierungen und drohende Kurzarbeit: Der Ukraine-Krieg trifft die lange Jahre boomende deutsche Bauindustrie mit voller Wucht und sorgt dafür, dass die Branche ihre Ziele für 2022 einkassiert. Man erwarte für die realen Umsätze nur noch „eine Entwicklung zwischen Null und minus zwei Prozent“, sagte Präsident Peter Hübner vom Branchenverband HDB. „Wir wollen bauen, wir sollen bauen, aber wir können oft nicht bauen.“