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Materialpreise gehen kaum zurück
Autor: Georg Winters -

Baupreise steigen in diesem Jahr weiter

Der Zentralverband des Baugewerbes sagt eine Steigerung um vier Prozent voraus. So manchen privaten Bauherren trifft das hart. Bei den Preisen für Holz, Stahl und anderen Baustoffen entspannt sich die Lage nur langsam.

Deutschlands Verbraucher werden derzeit an vielen Stellen mit steigenden Preisen konfrontiert. Auch an den Baustellen. Im November des vergangenen Jahres sind die Baupreise nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 14,4 Prozent gestiegen, eine Fortsetzung der zweistelligen Wachstumsraten, die Bauherren 2021 erlebt haben.

Insgesamt stiegen die Preise für alle Bauvorhaben im Durchschnitt um sechs Prozent, und auch für das laufende Jahr gibt es noch keine wirkliche Entwarnung. Einen Preisanstieg um vier Prozent im Jahresdurchschnitt hat Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband des Baugewerbes, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vorausgesagt. Der Trost: „Lieferengpässe spüren wir derzeit kaum mehr.“

Ein Grund dafür bleiben die hohen Materialpreise. Beispielsweise beim Holz, wo sich der Preis nach Pakleppas Angaben im vergangenen Jahr verdoppelt hat. Seit Jahresbeginn ist der Anstieg gedämpft, aber das macht die Lage für Bauherren nur unwesentlich besser. Dass Zimmer- und Holzbauarbeiten beispielsweise so viel teurer geworden sind, liegt an der unverändert hohen Nachfrage nach Bauholz durch große Abnehmerländer wie die USA und China. Beide Länder kaufen in Europa in großem Stil – die Amerikaner, weil deren Einfuhrzölle die aus dem Nachbarland Kanada stammende Ware deutlich verteuert haben; die Chinesen, weil ihr vorrangiger Lieferant Russland Rundholz 2022 nicht exportieren will, um Arbeitsplätze in der eigenen Forstwirtschaft zu sichern und in heimische Holz verarbeitende Betriebe zu investieren. Somit decken sich die Asiaten auch stärker in Europa ein. Dazu kommt, dass das Angebot kleiner geworden ist, weil es durch die Borkenkäferplage mehr Schadholz in Europa gibt. „Das kann man zwar problemlos verwenden, aber da, wo es sichtbar ist, wollen es viele Kunden nicht haben“, so Pakleppa.

„Die Tendenz bei den Preisen geht ein bisschen nach unten“, sagt der Verbands-Geschäftsführer, „aber das Vor-Corona-Niveau dürften wir bei keinem Baustoff mehr erreichen.“ Stahl war trotz leichter Entspannung im November immer noch 64 Prozent teurer als im gleichen Vorjahresmonat, bei Dämmstoffen betrug das Plus mehr als 43 Prozent, bei Folien und Rohren etwa 28 Prozent. Betonarbeiten, Dachdecken und -abdichten, Klempnerarbeiten – die Liste der Gewerke, für die der Bauherr deutlich mehr zahlen muss als früher, ist lang. Sein Budget, das er sich gegeben hat, wird in vielen Fällen über kurz oder lang obsolet. Es sei denn, der Vertrag läuft schon lange, dann muss meist der Bauunternehmer die Mehrkosten schultern. Aber diese alten Verträge aus der Zeit vor dem großen Preisschub sind in großen Teilen abgearbeitet.

Gleichzeitig machen nicht nur die hohen Preise für Baustoffe das Bauen teurer. Auch die allgemeine Inflation verteuert vieles (einschließlich der eminent gestiegenen Energiepreise), höhere Löhne nach dem Tarifabschluss im vergangenen Jahr wirken sich ebenfalls aus. Die knapp 900.000 Beschäftigten im Baugewerbe bekommen seit November zwei (im Osten drei) Prozent mehr. Weitere Lohnsteigerungen gibt es ab April dieses Jahres (West: 2,2 Prozent; Ost: 2,8 Prozent) sowie ein Jahr später 2023 (West: zwei Prozent; Ost: 2,7 Prozent). Dazu kommen noch Einmalzahlungen von 400 und 450 Euro in diesem und im nächsten Jahr.

Ein Potpourri von Faktoren also, die das Bauen teurer machen. Und so mancher Bauherr wird sich angesichts dieser Preissteigerungen seine Idee vom Eigenheim vielleicht doch noch mal durch den Kopf gehen lassen. Erst recht, wenn er womöglich nach dem Stopp der Förderung von energieeffizientem Bauen und Sanieren von Wohnimmobilien kein Geld dafür von der Förderbank Kfw bekommt.