Zwangsversteigerung 
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Zwangsversteigerung

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Immobilienmarkt
Autor: Georg Winters -

Zwangsversteigerungen könnten 2022 deutlich zunehmen

Die Ratinger Agentur Argetra sagt wegen der gestiegenen Immobilienpreise und womöglich steigender Zinsen für 2022 einen Anstieg der Versteigerungsverfahren voraus. Nicht immer landen die vor Gericht.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien wird nach Einschätzung der Ratinger Fachagentur Argetra in diesem Jahr deutlich steigen. Argetra begründet dies damit, dass sich zum einen ein Ende der Corona-Pandemie abzeichne, was zum Auslaufen staatlicher Hilfsprogramme führen könne, und zum anderen mit inflationsbedingt steigenden Zinsen. Die könnten die Baukredite für manchen Eigenheimbesitzer verteuern.

Die Experten sprechen von einem „explosiven Cocktail“ aus „Irrational aufgeblasenen Immobilienpreisen“ und leichtfertig vergebenen Finanzierungen. Jeder zehnte Kredit laufe über mehr als 35 Jahre, bei zwei von zehn Darlehen müsse die Familie mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für den Schuldendienst aufwenden, und bei sechs von zehn Krediten liege der Eigenkapitalanteil unter 20 Prozent. 40 Prozent der Kredite seien zu einem variablen Zinssatz vergeben, was in der Niedrigzinsphase günstig sei, den Kredit nach einem Zinsanstieg aber deutlich verteuere. Die Banken hätten, sobald wegen höherer Zinsen die Refinanzierungskosten stiegen, keinen Spielraum für Erleichterungen gegenüber den Kunden.

Tatsächlich sind die Immobilienpreise im abgelaufenen Jahr je nach Lage um bis zu ein Drittel gestiegen. Dazu kommen massiv gestiegene Baupreise, bedingt auch durch den Materialmangel, den gestörte Lieferketten ausgelöst haben. Konsequenz: Man muss als Bauherr entweder auf Garage, Kamin oder anderes verzichten, oder es wird teurer, mitunter zu teuer, weil die Finanzierungen auf Kante genäht sind.

Im abgelaufenen Jahr hat die Argetra noch gesunkene Zahlen bei den Zwangsversteigerungen festgestellt. Die Zahl der Termine bei den Amtsgerichten sei um etwa elf Prozent auf mehr als 13.100 gesunken. Die Summe der Verkehrswerte verringerte sich nur um 7,4 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Verkehrswert ist demnach also gestiegen, und zwar auf rund 222.000 Euro. Das sind knapp 10.000 Euro mehr pro Objekt als im Vorjahr. Gleichzeitig landet nur jedes zweite eröffnete Versteigerungsverfahren auch tatsächlich mit einem Auktionstermin vor Gericht; die andere Hälfte der Immobilien wird laut Argetra schon vorher freihändig verkauft. Der Anteil der Teilversteigerungen zwecks Auflösung von Eigentümergemeinschaften (oft wegen Uneinigkeit der Erben oder nach einer Scheidung) beträgt demnach schon ein Drittel aller Termine mit einem Gesamtverkehrswert von 1,3 Milliarden Euro.