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Immobilien in Duisburg
Autor: Marc Latsch -

Die Häuser, die niemand haben möchte

Der Immobilienboom in Deutschland hält seit Jahren an, in Duisburg hat er allerdings noch nicht alle Teile der Stadt erreicht. Eindrücke von einer Auktion in Köln, bei der die meisten Duisburger Objekte ohne neuen Besitzer blieben.

Als die Duisburger Immobilien an der Reihe sind, hat sich der Saal im Kölner Hilton-Hotel schon merkbar geleert. Nur noch zwölf Personen sitzen im Zuschauerraum der Auktion, bei der soeben ein Haus am äußersten Münchener Stadtrand für 2,75 Millionen Euro versteigert wurde. Nun soll es um ein Wohn- und Geschäftshaus in Duisburg-Vierlinden gehen. 763 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, 1,45 Millionen Euro Mindestgebot. Doch es kommt nicht zur Versteigerung. Niemand hat sich im Vorfeld für das Gebäude interessiert. So endet die Auktion für sechs der acht Duisburger Angebote bevor sie überhaupt begonnen hat. Mit dem Satz der Auktionatorin „Gibt es hier einen Verlesungswunsch?“ und einem Schweigen im Saal als Antwort.

Der Immobilienboom in Deutschland ist ungebrochen. Seit nunmehr zehn Jahren steigen die Hauspreise immer weiter an. Allein im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent. In begehrten Großstädten wie Düsseldorf wechseln selbst in die Jahre gekommene Immobilien in Randlagen zu Rekordpreisen den Besitzer. Und in Duisburg? Da hat der Boom den begehrten Süden erreicht. Den Norden nicht. Und schon gar nicht das Bewusstsein der Investoren in Köln.

Thomas Engel ist Vorstand der Westdeutschen Grundstücksauktionen AG (WDGA). Das Unternehmen richtet an einem sonnigen Freitagmittag seine Frühjahrsauktion aus. Das erste Objekt, ein Grundstück in Köln, sei für gutes Geld weggegangen, sagt Engel am Rande der Auktion. Für die Duisburger Häuser und Grundstücke dämpft er die Erwartungen. Mehrere Interessenten seien im Vorfeld wieder abgesprungen.

Bis es geographisch nach Duisburg geht, läuft es im Auktionssaal zunächst allerdings recht flüssig. Ein unbebautes Gründstück in Wuppertal, ein Flurstück in der Südwestpfalz, sogar ein mit Bäumen bewachsener Randstreifen in Emmerich finden neue Besitzer. Das Haus in München beschäftigt gleich zwei aus jeweils drei Männern bestehende Bietergrüppchen. In Fünftausender-Schritten treiben sie sich gegenseitig hoch, wobei der Gewinner sein Kärtchen mit einer solch stoischen Ruhe hochhält, als sei bei 2,75 Millionen seine Schmerzgrenze noch lange nicht erreicht gewesen.

Als die Duisburger Immobilien aufgerufen werden, oder eben nicht, ist von diesen Anzugträger-Gruppen nichts mehr zu sehen. Im Saal sitzen nun ein paar Rentner, dazu eine neue Dreier-Gruppe, anders als ihre Vorgänger allerdings in T-Shirts und Kapuzenpullis gekleidet.

Neben dem Objekt in Vierlinden haben es auch ein Haus und ein Grundstück in Mittelmeiderich sowie sechs auf drei Auktionen verteilte Häuser in Marxloh nicht geschafft, Interessenten anzulocken. Keine der angebotenen Immobilien aus dem Duisburger Norden wechselt an diesem Freitag den Besitzer.

„In Duisburg ist die Situation nicht leicht“, sagt Engel am Montag nach der Auktion. „Gerade bei gewerblichen Objekten verlangen die Banken einen sehr hohen Eigenkapitalanteil.“ Die Interessenten für die am Freitag angebotenen Gebäude hätten sich daher gegen Gebote entschieden. Es ist also durchaus ein Standortfaktor, der den Duisburger Immobilienmarkt negativ beeinträchtigt. Das Vertrauen in die Rendite ist ein Problem. Anders ist das nur bei den zwei Auktionsobjekten aus dem Duisburger Westen. Hier geht es um private Nutzung und laut Engel um Bieter aus der Nachbarschaft, die „wollten, dass da etwas passiert.“

Das Zweifamilienhaus aus Duisburg-Friemersheim und ein benachbartes unbebautes Grundstück sind die einzigen Objekte, die es überhaupt auf die Tagesordnung schaffen. Für das 1903 gebaute Haus gibt es nur ein im Vorfeld schriftlich getätigtes Mindestgebot in Höhe von 250.000 Euro. Im Saal will da niemand der Anwesenden gegenhalten. Auch nicht nachdem ein Mitarbeiter mit ruhiger, sich mehrfach verstolpernder Stimme die Eckdaten vorgestellt hat. Um das rund 2500 Quadratmeter große direkte Nachbargrundstück entsteht hingegen ein richtiger Bieterkampf. Der Grund: Die mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Wiese ist anders als viele der anderen an diesem Tag angebotenen Flächen für Wohnbau ausgewiesen. Hier könnten also bald ein oder mehrere Häuser mit Garten stehen.

Interesse haben hieran nicht nur die Kapuzenpulli-Investoren sondern auch zwei weitere Männer im Saal, einer dabei hektisch telefonierend. Ein vierter Bieter ist ebenfalls per Telefon mit einem der WDGA-Mitarbeiter verbunden. In 2000-Euro-Schritten geht es vom Startgebot von 125.000 Euro nach oben. Als sich der Betrag der 200.000-Euro-Grenze nähert, sind nur noch das Grüppchen und ein älterer Mann im Saal dabei. Immer wieder blicken die drei Männer zu ihm herüber, werden zunehmend unruhig. Dann steigen sie aus. Für 212.000 Euro geht das Grundstück an den Mann.

Als die Verlierer den Saal verlassen, fragt einer von ihnen noch im Vorbeigehen nach dem Namen des Bieters und ob er nicht auch der sei, der zuvor das Nachbarhaus ersteigert habe. „Vielleicht“, antwortet der Mann. Dann kommt eine Mitarbeiterin, um ihm zum Hauskauf zu gratulieren. Wer denn nun als Besitzer eingetragen werden soll? Das sei noch unklar, sagt der Mann. Er hat wirklich Haus und Grundstück ersteigert und müsse nun erst einmal mit seinen Töchtern klären, was nun wem gehören soll.

Auch für die unversteigerten Objekte hat Engel noch Hoffnung. Diese blieben noch zwei Monate im „Nachverkauf“ und können für das Mindestgebot weiterhin erworben werden. Bis auf einen einzigen Fall, sagt Engel, hätten so in der Vergangenheit noch alle Duisburger Immobilien einen Käufer gefunden.