Kolumne

Zu günstig zum Umziehen?

Düsseldorf wächst – doch auf dem Wohnungsmarkt wird Bewegung zunehmend zum Luxus. Wer eine günstige Bestandswohnung hat, bleibt oft, obwohl sich die eigenen Wohnbedürfnisse längst verändert haben. So werden Mietverträge zu wirtschaftlichen Ankern, Wohnraum bleibt gebunden und der Markt verliert an Beweglichkeit. Was bedeutet das für Mieter, Vermieter und die Stadt? Und warum reicht es nicht, den bestehenden Wohnungsmarkt nur zu regulieren?

Düsseldorf ist ein Magnet: Lebensqualität, begehrte Wohnlagen, Wirtschaftskraft, Kaufkraft und Menschen, die hier leben wollen. Doch ausgerechnet auf seinem Wohnungsmarkt wird Bewegung zum Luxus.

Wohnraum bleibt knapp, Neuvermietungen werden teurer. 2025 lag die Düsseldorfer Angebotsmiete im Median bereits bei rund 14 Euro je Quadratmeter. Bestands- und Neuvertragsmieten haben sich deutlich auseinanderentwickelt. Das verändert nicht nur die Preise. Es verändert den Markt.

Wer heute einen langjährigen Mietvertrag hält, hat etwas Wertvolles in der Hand: nicht die Wohnung selbst. Sondern ihren Preis. Eine kleinere Wohnung kann beim Wechsel plötzlich genauso viel kosten wie die Größere, in der man bereits lebt. Oder mehr. Und kaufen? Kaufpreise und Finanzierung erhöhen die Hürde ins Eigentum. Hinzu kommen gestiegene Kosten für Bewirtschaftung, Instandhaltung und Energie.

Das ist Lock-in: Der bestehende Mietvertrag wird zum wirtschaftlichen Vorteil, den aufzugeben sich kaum lohnt. Der Wechsel unterbleibt, Wohnraum bleibt gebunden und die Wohnmobilität sinkt.

Wohnbedürfnisse ändern sich. Der Wohnraum nicht. Und genau das betrifft längst nicht nur den einzelnen Mieter, sondern die Funktionsfähigkeit des gesamten Marktes.

Niemand muss umziehen. Darum geht es nicht. Ein funktionierender Wohnungsmarkt lebt von Wechselmöglichkeiten. Die politische „Mietpreisbremse“ soll schützen. Doch sie greift zu kurz und baut keine Wohnung. Die Bremse beschäftigt uns also weiter. Nur diesmal an anderer Stelle.

Der Wohnungsmarkt lässt sich nicht allein verwalten. Mehr Wohnraum setzt voraus, dass Bauen, Investieren und Vermieten wirtschaftlich tragfähig und langfristig kalkulierbar bleiben. Denn Vertrauen gehört zur Kalkulation.

Schutz schafft Sicherheit. Neues Angebot schafft Möglichkeiten. Und Bewegung? Die darf kein Luxus sein. Denn am Ende entscheidet sich die Qualität eines Wohnungsmarktes nicht nur daran, ob Menschen wohnen können. Sondern auch daran, ob sie sich wohnlich verändern können.

Frauke Pink

Die Autorin ist Expertin für Wohnimmobilien & Inhaberin von PINK Immobilien Management, Düsseldorf.