Kolumne

Untergang der Projektentwickler

Steigende Finanzierungskosten, hohe Grundstücks- und Baupreise sowie eine verhaltene Nachfrage bringen selbst etablierte Unternehmen unter Druck. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an Wohnraum und neuen Quartieren hoch. Die Branche steht damit vor einer grundlegenden Frage: Wie kann Projektentwicklung unter völlig veränderten Rahmenbedingungen künftig wirtschaftlich und resilient funktionieren?

Die Krise der Projektentwickler ist mehr als Marktbereinigung. Sie ist ein Einschnitt in eine Branche, die lange von günstigen Zinsen, steigenden Preisen und günstigem Kapital getragen wurde. Inzwischen ist die Liste angeschlagener Unternehmen lang – darunter namhafte und etablierte Entwickler.

Zu teuer eingekaufte Grundstücke, optimistische Baukosten, lange Genehmigungsverfahren, steigende Finanzierungskosten und zurückhaltende Käufer lassen sich nicht mehr durch steigende Preise kompensieren. Der Markt verzeiht schlicht keine Fehler mehr.

Zugleich bleibt der Bedarf an Wohnraum und Quartieren hoch. Das macht die Lage paradox: Der Markt braucht Entwicklung, doch viele Projekte lassen sich kaum wirtschaftlich darstellen.

Die Antwort liegt nicht allein in niedrigeren Zinsen oder Förderprogrammen. Projektentwicklung muss robuster werden: mit mehr Qualität in der Konzeption, realistischen Annahmen zu Standort und Zielgruppe, Nutzungsmischungen und flexiblen Gebäuden.

Vor allem braucht die Branche modernere Prozesse und digitale Werkzeuge – von der Marktanalyse bis zur Vermarktung. Wer Marktveränderungen nicht früh in bessere Prozesse und zeitgemäße Vermarktung übersetzt, gerät schnell unter Druck.

Das Sterben der Projektentwickler ist Krise und Weckruf zugleich. Der Markt braucht Projektentwicklung – aber mit mehr Realismus, Qualität und Prozessdisziplin. Dazu gehört auch, Immobilien zeitgemäß zu vermarkten. Genau hier setzt unsere neue Plattform Myhome.io an.

Philipp Wadenpohl

Der Autor ist Managing Director und Co-Founder der MyHome Media GmbH.