Realismus statt Champagnerlaune
Die MIPIM hat gezeigt: Nach der Zinswende steht die Branche vor neuen Herausforderungen. Refinanzierung, Kapitalströme und ein Fokus auf Wohnimmobilien bestimmen den Markt – und eröffnen zugleich selektive Chancen für gut aufgestellte Investoren.
Die diesjährige Immobilienmesse MIPIM in Cannes war kein Ort für Champagnerlaune, sondern des intensiven Arbeitens. Die Branche hat die Zinswende verdaut, wird nun aber mit der harten Realität der Refinanzierung konfrontiert: Kredite müssen zu deutlich höheren Konditionen und verschärften Eigenkapitalanforderungen verlängert werden. Damit bleibt die Volatilität der Zinskurve ein Nervenfaktor, auf den Investoren empfindlich reagieren. In dieser Gemengelage suchen viele das Heil im Segment Wohnen, auch in der Umnutzung von Bürogebäuden zu Serviced Apartments. Dazu sind allerdings genaue Umfeld- und Bedarfsanalysen notwendig, um die Nachhaltigkeit eines Investments sicherzustellen.
Die Unruhen im Mittleren Osten könnten allerdings zu zusätzlichen Kapitalströmen seitens internationaler Investoren in Richtung Europa und Deutschland als „sichere Häfen“ führen. Chancen entstehen für eigenkapitalstarke Investoren wie Family Offices, die die Marktlage für gezielte werthaltige Zukäufe nutzen und hierbei ihre Flexibilität und Geschwindigkeit vorteilhaft ausspielen können. Dabei findet in allen Assetklassen eine starke Lagekonzentration statt.
Insgesamt hat die MIPIM gezeigt: Wir befinden uns in einem „Markt der Profis“. Dabei gilt: Wer die Refinanzierungshürden mit kühlem Kopf und Realismus meistert, findet in Deutschland attraktive, nachhaltige Anlagemöglichkeiten. Der Boden für eine Markterholung ist bereitet, auch wenn der Weg ein Marathon bleibt.
Max Aengevelt
Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter Aengevelt Immobilien.