Kolumne

Ohne Rendite kein Markt

Wohnraum kostet Geld – und private Investitionen brauchen eine wirtschaftliche Perspektive. Wer Rendite bei Wohnimmobilien grundsätzlich infrage stellt, muss zugleich erklären, wer stattdessen Bau, Finanzierung und Betrieb übernehmen soll. Entscheidend ist daher nicht, ob mit Wohnraum Rendite erzielt werden darf, sondern wie private Investitionen und bezahlbares Wohnen miteinander vereinbar bleiben.

Wohnen darf kein Renditeinstrument sein – diese Forderung ist häufig, greift ökonomisch aber zu kurz. Denn wer nicht möchte, dass mit der Vermietung von Wohnraum Geld verdient wird, muss Wohnen als öffentliche Daseinsvorsorge organisieren. Konsequenterweise müsste der Staat dann den kompletten Wohnraum bauen, erwerben, finanzieren und kostendeckend oder als Zuschussgeschäft betreiben. Es kann nicht Aufgabe privater Eigentümer sein, öffentliche Daseinsvorsorge ohne Aussicht auf eine Rendite zu übernehmen.

Eine Wohnimmobilie folgt der Logik jeder Investition: Am Anfang steht ein hoher Kapitaleinsatz für Kauf oder Bau. Darauf folgen über Jahre Mieteinnahmen, die Kosten, Finanzierung und Risiken decken und einen positiven Ertrag ermöglichen müssen (sogenannte Mietrendite). Hinzu kommt die sogenannte Wertsteigerungsrendite. Doch sie ist keineswegs immer positiv. Gerade das aktuelle Marktumfeld zeigt, dass Immobilienpreise stagnieren oder fallen können. Gestiegene Finanzierungszinsen und höhere regulatorische Anforderungen verteuern Investitionen. Kaufpreise geraten unter Druck, während Mieten steigen. Das ist kein Widerspruch: Miet- und Eigentumsmarkt sind eng miteinander verbunden, Angebot und Nachfrage suchen ihren Ausgleich. Wer die Mietrendite dauerhaft beseitigt, nimmt privaten Investoren den Anreiz, Kapital in Wohnraum zu investieren. Die Frage ist daher nicht, ob Rendite erlaubt sein darf, sondern welche Rendite angemessen ist und zugleich neue Investitionen ermöglicht.

Lorenz Härtl

Der Autor ist Gründer und Geschäftsführer des Maklerunternehmes „schlauer verkaufen“.