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Solarstrom
Autor: Philipp Laage -

7 Fakten, die Sie über Photovoltaikanlagen wissen müssen

Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Strom für den eigenen Haushalt produzieren - klingt nach einer großartigen Idee. Geht das so einfach? Und: Rechnet sich das?

Strom aus dem Netz hat seinen Preis, aber die Sonne scheint kostenlos. Ihre Energie lässt sich für den eigenen Haushalt nutzen. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach machen sich Eigentümerinnen und Hausbesitzer unabhängiger vom Energieversorger und von fossiler Energie. Der Strom ist grün, die Einspeisung ins Netz wird vergütet.

Allerdings kann die Installation einige Tausend Euro kosten. Und im dunklen Winter produziert die PV-Anlage deutlich weniger Strom. Lohnt sich die Anschaffung trotzdem? Hier erfahren Sie, worauf es ankommt.

1. Die bürokratischen Hürden sind niedrig

Für Photovoltaikanlagen, die Eigenheimbesitzer auf dem Dach installieren lassen, wird in der Regel keine Baugenehmigung nötig. Bei denkmalgeschützten Gebäuden oder speziellen baurechtlichen Vorgaben können Genehmigungen aber erforderlich sein.

Der Betrieb der PV-Anlage muss beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet werden. Darum kümmert sich der Installationsbetrieb.

Die PV-Anlage muss innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden. Das geht online und kostet nichts.

Eigenmontage möglich, aber nicht empfehlenswert

Wenn Sie wissen, was Sie tun, können Sie eine PV-Anlage selbst aufs Dach bringen. Experten raten aber davon ab. Montage und Elektrik brauchen Fachkenntnisse. Solaranlagen werden in aller Regel von spezialisierten Betrieben installiert.

Der Anschluss an das Stromnetz darf ausschließlich von einem zertifizierten Elektrofachbetrieb erfolgen.

Gut zu wissen: Sonnenenergie lässt sich nicht nur im Einfamilienhaus nutzen. Mieter und Wohnungseigentümer können Stecksolar-Geräte auf Balkon, Terrasse oder Carport anbringen. Diese Mini-Solaranlagen, auch Plug-and-Play-Anlagen oder Balkonkraftwerke genannt, sind viel günstiger als große PV-Anlagen. Man kann sie in Eigenregie montieren. Eine Anmeldung beim Netzbetreiber ist aber trotzdem erforderlich.

Alle Voraussetzungen sind geklärt? Dann geht es um die Frage, ob und wann sich die Anschaffung einer PV-Anlage wirtschaftlich rechnet.

Diese Faktoren sind wichtig:

  • die Anschaffungskosten der Anlage
  • der zu erwartende Stromertrag
  • der Anteil des Eigenverbrauchs
  • die Strompreisentwicklung
  • die Finanzierung

2. Südausrichtung ist kein Muss

Damit eine PV-Anlage genug Strom erzeugen kann, muss die Sonne hinreichend lange und in einem günstigen Winkel auf die Solarmodule scheinen. Optimal sind eine Südausrichtung und eine Dachneigung von 30 Grad, heißt es von der Verbraucherzentrale NRW. Unter diesen Bedingungen liefert die Anlage die höchsten Erträge.

Aber auch Anlagen auf Ost- und Westdächern seien heute oft sinnvoll, so die Verbraucherschützer. Sie liefern vor allem morgens und abends Strom, wenn der Bedarf üblicherweise besonders groß ist.

Der optimale Neigungswinkel hängt ab vom Sonnenstand. Bei Neigungen von unter 25 oder über 60 Grad verringert sich der Stromgewinn um bis zu zehn Prozent, rechnet die Verbraucherzentrale vor.

Natürlich sollte kein Schatten auf das Dach fallen, etwa durch einen Baum. Und die Dachdeckung muss stabil genug für die Module sein.

3. Größere Anlagen sind teurer, aber rechnen sich

Je größer die PV-Anlage, umso mehr Strom kann sie erzeugen. Aber umso höher ist auch die Investition. Welche Größe ist die richtige?

Die Verbraucherzentrale NRW rät davon ab, die Anlage nur so klein zu dimensionieren, dass sie für den Eigenverbrauch optimiert ist.

Wirtschaftlich sei das nicht unbedingt die lohnendste Variante, sagt Energieexperte Sören Demandt. Je kleiner die Anlage, umso größer der Anteil der Fixkosten an jedem Kilowatt Leistung. „Hausbesitzer sollten nach Möglichkeit die gesamte Dachfläche ausnutzen.“

Schauen wir uns zwei wichtige Einheiten an:

Die maximale Leistung, die eine PV-Anlage unter Standardbedingungen erreichen kann, wird in Kilowattpeak (kWp) angegeben. Diese Einheit dient dazu, verschiedene Anlagen miteinander vergleichen zu können.
Die tatsächlich erzeugte Strommenge hängt von den Betriebsbedingungen am konkreten Standort ab, etwa von der Sonneneinstrahlung. Sie wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben.

Sören Demandt nennt als Faustformel für die Umrechnung: 1 kWp bringt aufs Jahr gesehen etwa 850 bis 1050 kWh Strom.

Moderne Solarmodule liefern etwa 400 Wattpeak (0,4 kWp) bei einer Grundfläche von knapp zwei Quadratmetern, heißt es vom Bundesverband Solarenergie. Für jedes Kilowattpeak werden somit netto rund fünf Quadratmeter Dachfläche benötigt - zuzüglich kleiner Abstände zwischen den Solarmodulen und Randabständen zur Dachkante.

Für 5 kWp Leistung braucht es somit 25 Quadratmeter Dachfläche.

Das entspricht ungefähr 4500 bis 5500 kWh Ertrag - ungefähr der Strombedarf eines Vier-Personen-Haushalts. Allerdings lässt sich der selbst erzeugte Strom nur bis zu einem gewissen Anteil nutzen, weil die PV-Anlage im Sommer mehr produziert, als gebraucht wird.

Tipp: Berücksichtigen Sie bei der Kalkulation nicht nur den aktuellen Stromverbrauch, sondern auch den möglichen späteren Bedarf etwa für die Ladung eines Elektroautos oder eine Wärmepumpe.

Für Kosten einer PV-Anlage nennt Verbraucherschützer Demandt einen Richtwert von ungefähr 1400 bis 2000 Euro pro kWp. Das umfasst die Solarmodule inklusive Installation und Inbetriebnahme.

Gesamtkosten-Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Anlagengröße von 8 kWp kommt man insgesamt auf 11 000 bis 16 000 Euro.

Kleinere Anlagen liegen wegen der höheren Fixkosten auch häufiger mal über 2000 Euro pro kWp, erklärt Demandt. Für einen Batteriespeicher (mehr dazu unten) kommen ein paar Tausend Euro hinzu. Die Kosten des Speichers hängen von seiner Kapazität ab.

Die Preise für PV-Anlagen schwanken deutlich, je nach Anbieter, aber auch im Zeitverlauf. Am besten holen Sie sich Angebote verschiedener Fachbetriebe ein, rät Demandt. Viele Firmen bieten „schlüsselfertige“ Komplettpakete. Prüfen Sie immer den Leistungsumfang.

Brauche ich eine Versicherung?

Solarstrom-Anlagen sollten in der Wohngebäudeversicherung mit eingeschlossen werden, rät die Verbraucherzentrale NRW. So sind sie gegen Sturm, Hagel, Blitz und Feuer abgesichert.

Eine spezielle Photovoltaikversicherung kann für große und teure Anlagen ratsam sein. Oder wenn die Finanzierung auf Kredit läuft.

Der Bundesverband Solarwirtschaft rät Hausbesitzern: Teilen Sie Ihrem Versicherer mit, wenn Sie eine PV-Anlage installieren lassen und eventuell auch einen Batteriespeicher im Haus nutzen. Die Police kann dann angepasst werden, falls nötig.

4. Je mehr Strom Sie selbst nutzen, umso besser

Wohin geht der Strom aus der PV-Anlage?

1. Eigenverbrauch im Haushalt

Mit dem selbst produzierten Solarstrom können Sie elektrische Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine, Lampen und Computer betreiben. Über eine Wallbox lässt sich außerdem das Elektroauto laden. Und der Solarstrom kann dabei unterstützen, eine Wärmepumpe zu versorgen.

Eine Batterie kann überschüssigen Strom speichern, sodass er abends oder nachts bei Bedarf genutzt werden kann.

Der Vorteil: Für jedes Kilowatt Strom, das Sie selbst produzieren, müssen Sie keinen teuren Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen.

2. Einspeisung ins Stromnetz

Nicht benötigter Solarstrom wird automatisch ins Stromnetz eingespeist. Dafür zahlt der Netzbetreiber einen festen Preis pro kWh. Die Einspeisevergütung dient als Anreiz zur Förderung erneuerbarer Energien.

Wer den erzeugten Strom komplett ins Stromnetz einspeist, bekommt eine höhere Vergütung. Das nennt sich Volleinspeisung.

Wichtig: Das neue Solarspitzengesetz sieht folgende Änderungen vor, um die Stabilität des Stromnetzes in Peak-Zeiten zu stärken:

Die Einspeisevergütung gibt es bei neuen PV-Anlagen künftig nur dann, wenn der Börsenstrompreis nicht negativ ist.
Außerdem muss ab 7 kWp ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) installiert werden, auch bei bestehenden Anlagen.
Ohne diese Steuerbox dürfen Sie nur noch 60 Prozent der maximalen Leistung Ihrer PV-Anlage ins Netz einspeisen.

Unabhängig von dem neuen Gesetz sinken die Vergütungssätze alle halbe Jahre, um die sinkenden Kosten für Solaranlagen widerzuspiegeln. Sobald Ihre Anlage jedoch in Betrieb ist, bleibt der für Sie gültige Vergütungssatz mindestens 20 Jahre lang konstant.

Nach Ablauf der Zeit zahlt der Netzbetreiber auch weiterhin für den Strom. Die Höhe richtet sich dann aber nach dem Jahresmarktwert Solar, ein Referenzwert für den Marktpreis des Stroms.

Gut zu wissen: Die Einspeisevergütung ist bis zu einer Leistung von 30 kWp auf Einfamilienhäusern von der Einkommensteuer befreit.

In der Praxis erzeugt eine PV-Anlage im Sommer deutlich mehr Strom als gerade im Haushalt gebraucht wird. Andersherum liefert die PV-Anlage im dunklen Winter meist zu wenig Strom. Man braucht zusätzlichen Strom aus dem Netz.

Wichtig: Eine Solaranlage rechnet sich umso schneller, je mehr Solarstrom selbst verbraucht wird, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Der Strom vom Dach ist viel günstiger als aus dem Netz.

Vereinfachte Rechnung: Der Strom aus der PV-Anlage kostet den Energieexperten zufolge bei einer Anlagengröße von 5 bis 10 kWp etwa 15 bis 10 Cent pro Kilowattstunde - das sind die Anschaffungskosten, umgelegt auf die Stromkosten. Strom aus dem Netz kostet brutto rund 37 Cent pro Kilowattstunde. Und für den überschüssigen Strom kassieren Hausbesitzer die Einspeisevergütung automatisch.

Tipp: Der Eigenverbrauch lässt sich laut Verbraucherzentrale steigern, wenn elektrische Geräte um die Mittagszeit laufen. Dann produziert die PV-Anlage am meisten Strom. Für die Steuerung der Geräte kann ein Energiemanagementsystem helfen.

Auch eine Wärmepumpe erhöht den Eigenverbrauch. „In der Praxis wird dieser Effekt aber oft überschätzt“, sagt Demandt.

Der Grund ist simpel: Gerade im Winter, wenn die Wärmepumpe zum Heizen besonders viel Strom braucht, produziert die PV-Anlage besonders wenig Strom. Demandt schätzt, dass die Wärmepumpe nicht mit mehr als 15 bis 25 Prozent günstigem Solarstrom betrieben werden kann. Der übrige Strom kommt aus dem öffentlichen Netz.

5. Ein Batteriespeicher kann sich lohnen

Ein Batteriespeicher kostet zusätzliches Geld. Doch ohne Speicher wird umso mehr nicht genutzter Strom direkt ins Netz eingespeist und geht somit für den vorteilhaften Eigenverbrauch verloren.

Hausbesitzer machen sich mit einem Speicher noch unabhängiger vom Versorger. Der Strom kann auch abends und nachts genutzt werden.

Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einer 5-kWp-Anlage kommt auf einen Eigenverbrauch von 20 bis 30 Prozent des insgesamt erzeugten Stroms, rechnet die Verbraucherzentrale vor. Mit einem Speicher lässt sich der Eigenverbrauch auf 50 bis 70 Prozent erhöhen.

Tipp: Wie viel Solarstrom Sie in Ihrem Haushalt nutzen können, lässt sich ausrechnen, etwa mit dem Solarrechner der Verbraucherzentrale. Das ist eine gute Grundlage für eine detaillierte Energieberatung.

Die Installation eines Batteriespeichers lohne sich fast immer, heißt es beim Bundesverband Solarwirtschaft. Rund 80 Prozent aller neu installierten Photovoltaikanlagen im Heimsegment (bis 30 kWp) werden demnach in Verbindung mit Batteriespeichern errichtet.

Der Verband weist darauf hin, dass die Kosten für Speichertechnologie in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind.

Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentrale gibt allerdings zu bedenken, dass ein Speicher die gesamte Investition aktuell immer noch deutlich verteuert. Zwar steige der wirtschaftlich sinnvolle Eigenverbrauch. „Aber die Anschaffungskosten holt man damit nicht immer wieder rein.“

Tipp: Die Größe des Speichers sollte zum eigenen Bedarf passen, rät Brandis. „Beim Speicher gilt nicht: Viel hilft viel.“

6. Oft werden PV-Anlagen kommunal gefördert

In einigen Bundesländern gibt es kommunale Förderprogramme für die Anschaffung von PV-Anlagen und Batteriespeichern. Städte, Landkreise und Gemeinden gewähren Zuschüsse zur Investition.

Eine Übersicht findet man im Internet, etwa bei „Finanztip“.

Wichtig: Wer eine Förderung in Anspruch nehmen möchte, sollte darauf achten, dass diese beantragt und bewilligt ist, bevor ein Vertrag mit einem Hersteller oder Installationsbetrieb unterschrieben wird.

Wer die Anschaffung einer PV-Anlage auf Kredit finanziert, wird auch dabei gefördert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet zinsgünstige Kredite ab 3,23 Prozent effektivem Jahreszins an. Das Programm nennt sich „Erneuerbare Energien - Standard (270)“.

Die Förderung umfasst die Materialkosten, aber auch die Kosten für Planung, Installation und den Batteriespeicher.

Wer eine PV-Anlage auf Kredit finanzieren muss, sollte allerdings ohnehin prüfen, ob sich die Investition rechnet, rät Demandt. „Die Finanzierungskosten sind generell recht hoch.“ Und je höher die Gesamtkosten, umso weniger rentiert sich die Anschaffung.

7. Dunkle Winter sprechen nicht gegen eine Solaranlage

Ein gängiges Vorurteil lautet: PV-Anlagen bringen im Winter nichts, weil viel seltener die Sonne scheint. Aber das ist falsch.

Die Leistung einer PV-Anlage ist im Winter zwar um ein Vielfaches geringer als im Sommer. Die Tage sind kürzer und die Sonne steht tiefer. Trotzdem produziert die Anlage weiterhin Strom.

Etwa drei Viertel des Ertrags entfallen auf die sechs Monate im Sommer von April bis September, erklärt Sören Demandt. Aber ein Viertel entfällt eben auch auf die Winterhälfte von Oktober bis März.

Gut zu wissen: Die Leistung hängt von der Globalstrahlung ab. Das umfasst nicht nur die direkte Sonneneinstrahlung, sondern auch die indirekte Diffusstrahlung, etwa durch Reflexionen.

Obwohl der Ertrag einer PV-Anlage im Winter deutlich geringer ausfällt als im Sommer, kann der Strom auch in der dunklen Jahreszeit einen Teil des Bedarfs decken. Aufs ganze Jahr spart man viel Geld, weil man eben im Sommer besonders viel Strom selbst produziert.

Fazit: Lohnt sich eine Photovoltaikanlage?
Wer sich von fossiler Energie unabhängiger machen und etwas fürs Klima tun will, ist mit einer PV-Anlage gut beraten.

Auch unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind PV-Anlagen meist lohnend, lautet das Urteil der Verbraucherzentrale NRW.

Wie das im Einzelfall ist, muss man individuell durchrechnen. Dafür bietet unter anderem die Stiftung Warentest einen Renditerechner.

Die beiden wichtigsten Faktoren für die Rentabilität sind laut Branchenverband die Anschaffungskosten und der Anteil des selbst erzeugten Stroms, der im Haushalt genutzt wird. Das liegt am hohen Preisabstand zwischen Solarstrom und teurem Netzstrom.

Das bedeutet aber auch: Die Entwicklung der Strompreise ist in der Gesamtkalkulation die entscheidende Unbekannte. Je günstiger der Netzstrom, umso weniger rechnet sich eine PV-Anlage.

Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, als würden die Strompreise in Deutschland deutlich sinken.

Sören Demandt rät dazu, die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage anhand verschiedener Szenarien durchzurechnen. „Selbst wenn der Strompreis stagniert, rechnet sich die PV-Anlage auf 20 bis 25 Jahre auf jeden Fall“, urteilt der Verbraucherschützer.